Windows 10 Mobile - Microsoft zieht sich zurück

Der Konzern Microsoft gibt sich am Markt vorerst geschlagen. Durch die führende Marktmacht von iPhones und Android-Geräten stellt Microsoft die Entwicklung des Betriebssystems Windows 10 Mobile vorerst ein. Der Marktanteil ist zu gering und lag zuletzt sogar bei weniger als einem Prozent.


Zwar will der amerikanische Konzern weiterhin Fehler ausbessern und Sicherheitslücken schließen, aber die Einführung neuer Funktionen und neuer Hardware stehen „nicht im Fokus“, so Joe Belfiore, Microsoft Entwicklungsleiter der Betriebssysteme.


Die Weiterentwicklung von Windows 10 Mobile – die Software für Smartphones – geht also in den Ruhestand. Ganz so überraschend ist dieser Rückzug nicht: Microsoft verlor in den vergangenen Jahren immer mehr an Ehrgeiz, das eigene Betriebssystem auf Vordermann zu bringen und ihr eigenes System für mobile Geräte weiterzuentwickeln. Auch neue Hardware wurde immer kritischer und zur Mangelware. Stattdessen investierte Microsoft zeitgleich in Apps für die Plattform iOS von Apple und Android von Google.

Laut Joe Belfiore ist das geringe Angebot an Apps eines der größten Probleme. Der Konzern habe zwar versucht, den Entwicklern Anreize zu geben, indem sie ihnen Geld gezahlt und sogar die Apps für sie entwickelt haben, aber dies hat nicht gereicht. Die Zahl der Nutzer ist für die meisten Firmen zu niedrig, als dass sie investieren würden. Da liegt das Problem: Ohne attraktive Apps halten sich die Käufer zurück und ohne Käufer lohnt sich die Entwicklung von Apps nicht. Dieser Teufelskreis schießt Microsoft immer mehr ins Aus. Der Marktanteil von Windows lag 2016 bei weniger als einem Prozent. Auch die Vereinheitlichung mit Windows 10 half so gut wie kaum.


Die Nachfrage sinkt weiter, immer mehr Partner verlieren den Glauben an das Betriebssystem. Selbst der größte PC-Hersteller HP entzieht sich aus dem mobilen Microsoft Betriebssystem.

Microsoft-Manager Belfiore selbst nutzt aufgrund der größeren Auswahl an Apps und Hardware bereits eine andere Plattform. Seine Aussage lautete: „Choose what’s best 4 u“, also: sucht euch das aus, was am besten für euch ist.

Im Jahre 2014 übernahm Microsoft für 9,5 Mrd. Dollar den Handyhersteller Nokia, doch auch hier konnten sie sich nicht gegen die Konkurrenz wie das Lumia-Modell durchsetzen. Folglich strich der Konzern tausende Stellen und schrieb die Firmenwerte ab.

Nach dem Amtseintritt von Microsoft-Chef Satya Nadella im selben Jahr intensivierte er in die Entwicklung von Apps für andere Plattformen, trieb dieses Geschäft [diese Strategie] an und vernachlässigte die eigene Plattform.


Fazit: Windows hat also längst nicht mehr Vorrang.
Quelle: diverse Medien, Handelsblatt: Dienstag, 10. Oktober 2017; Nr. 195
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